150.

Golgatha

Die Hammerschläge dröhnen. Die Schergen schaffen's stolz.
Kein Jammern und kein Stöhnen - nur blutbesprengtes Holz!
Da kommt ein großes Fragen in der Entmenschten Blick:
Warum kommt hier kein Klagen, warum kein Fluch zurück!?

Nichts als ein tiefes Trauern, ein liebendes Verzeihn!
Das macht die Knechte schauern, sie schlagen zager drein, -
Und bald steht aufgerichtet ein Denkmal unerhört!
Hat Gott hier nach der Hölle, die Höll nach Gott begehrt? -

Weh, weh, die Himmel weichen! Das Licht hat sich verhüllt!
Die Schergen, sie erbleichen. Der Erde Abgrund brüllt.
Und Jesus, der Erhöhte, hebt sterbend das Gesicht
in heiligem Gebete "Acht ihnen diese Sünde nicht!"

Rings fasst sie ein Entsetzen, sie blicken starr empor.
Da dringt ein Schrei, ein Jubel so sieghaft an ihr Ohr,
als wie ein Welterlösen: "Es ist vollbracht! Vollbracht!"
- Mensch! Das ist Gott gewesen! - Welt! Was hast du gemacht?!


Maria Lutz - Weitmann